Trauerrede Hannes Bader am 30.01.2025 um 13:00 FH Lehrte neuer FH Cigarette Day Dream Wir sind heute zusammengekommen, um einen letzten gemeinsamen Weg mit Hannes Bader zu gehen. Ein letzter gemeinsamer Weg in Liebe, Freundschaft, Zuneigung und Respekt. Das Leben, ja, das Leben hält für einen jeden von uns Herausforderungen bereit. Stellt uns vor Fragen. Fragen, bei welchen wir tief in unser Herz schauen müssen, Mut brauchen, um sie zu beantworten. Fragen wie: Warum leben wir? Werden geboren, sterben, und erleben all die guten und schlechten Dinge dazwischen? Der Tod stellt die wohl lauteste Frage an uns. Diese wird umso lauter, wenn jemand vor seiner Zeit geht, sein Lebensende in dramatische Umstände verstrickt ist oder beides. Leider gibt es weder eine klare Antwort auf diese Frage und auch echter, lindernder Trost, lässt sich in solchen Situationen nur schwer finden. Aber mich tröstet der Gedanke, dass wenn unser Leben auf dieser Erde zu Ende geht und wir sterben, einfach einen großen Schritt nach vorne machen und mit einem Fuß in einer neuen Welt stehen. Und wenn wir uns dann umdrehen, noch einen Blick auf all das werfen, was wir zurücklassen, ein Blick auf jede Erinnerung, auf die Menschen, die wir liebten, dann sind erfüllt mit Dankbarkeit für alles Erlebte. Mit einem Leuchten in den Augen schauen wir in die Gesichter voller Tränen all jener, welchen wir so sehr fehlen werden. Dann würden wir ihnen gern zurufen: Hey, seid nicht traurig, mir geht es gut, nichts passiert umsonst, hier ist es wunderschön! Ich bin doch nur voraus gegangen, einen Schritt von euch entfernt, gar nicht weit. Hier werde ich auf euch warten! Und in dieser Welt gibt es keine Zeit, was bei euch Tage und Jahre sind, ist hier ein Wimpernschlag. So brauche ich euch gar nicht vermissen, denn wenn ich den nächsten Schritt gehe und mich dann erneut umdrehe, dann seid ihr alle schon wieder bei mir. Seid nicht traurig. Ich bin noch hier, nur anders, nur einen Schritt voraus. Dann gehen wir den nächsten Schritt in diese neue Welt. Alles bunt und licht, unser Herz ist voller Zuversicht. Nur einen Schritt voraus. 1 Copyright@Janine Bischoff, freie Rednerin und HP für Psychotherapie Am 30.01.2004, erblickte Hannes das Licht der Welt. Aufgewachsen in Lehrte mit seinen Eltern Susan und Dirk und seinem Bruder Benno. Hannes war ein aufgeweckter kleiner Junge, aber auch sehr anhänglich, konnte nie alleine einschlafen, wollte viel kuscheln. Schon damals tat sich Hannes ein wenig schwer in der Welt zurecht zu kommen. So sensibel wie er war, so dickköpfig war er auch, hatte einen starken Willen. Auch im Kindergarten und in der Schule, stillsitzen fiel Hannes echt schwer und oft saß er dann auf der blauen Bank, wobei es wirklich nicht immer fair war, andere Kinder waren auch nicht ohne. Hannes hatte bereits als kleiner Junge ein großes Herz für Tiere, vor allem für Meerschweinchen und Hunde aber auch für Insekten konnte sich Hannes sehr begeistern und er fand Dinosaurier unglaublich interessant, kannte sich richtig gut aus. Wie alle Jungs hat er aber auch gern Computer gespielt und Pokémon geguckt. Familie Bader hat damals tolle Urlaube erlebt. Erst ging es nach Amrum und dann Jahr um Jahr in den Esel Park. Esel von morgens, bis abends, für die Jungs war das toll. Später wurde dann Urlaub in Dänemark und Norwegen verbracht, Hannes erkundete das Land in Latschen, auf Gibraltar bestaunte er die Affen und in Kroatien musste er jeden Stein umdrehen, um Krebse zu finden. Natur, Tiere, Insekten und Sonne, so fühlte sich Hannes wohl. Zu Hause war er viel mit dem Fahrrad unterwegs. Am liebsten in der Sonne. Wobei Hannes ein echter Stolpervogel war, hatte oft Blessuren von seinen Abendeuern. Zur Stärkung für all das hat Hannes am liebsten Pizza und Burger gegessen. Als Hannes älter wurde, war er meist mit seinen Freunden unterwegs, viel wurde gefeiert, gechillt, gezockt und Blödsinn gemacht. Musik gehörte für Hannes immer mit dazu, ohne Musik ging gar nichts. Ein Soundtrack fürs Leben. 2 Copyright@Janine Bischoff, freie Rednerin und HP für Psychotherapie Hannes war, auch wenn es nicht alle wissen, ein sehr sensibler, junger Mann, oft tat er sich schwer damit, im Leben klarzukommen. Und nun muss ich über etwas reden, was eine sehr dunkele Seite in Hannes Leben war. Die Drogen, die Medikamente. Früh fing Hannes an zu kiffen, wollte die Seele beruhigen. Leider sollte es beim Kiffen nicht bleiben. Hannes suchte, denn Sucht kommt von suchen, nach Ruhe in seinen Gedanken, in vielen Substanzen. Leider machte ihm die Sucht, die Krankheit, vieles im Leben schwer, gar unmöglich. So auch die Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten, Hannes hat begonnen, doch durchhalten sollte er nicht. Nun zog Hannes in eine eigene Wohnung nach Hannover, auf Spur sollte er aber im Leben nicht kommen. Mehr als einmal hat er versucht all dem Mist den Rücken zuzukehren aber immer und immer wieder war die Sucht stärker. Hannes war oft impulsiv und unberechenbar, sehr launisch. Es war dann nicht leicht mit ihm klarzukommen. Aber ihr alle wart für Hannes da. Ob nun seine Mama, seine Familie oder seine Freunde. Aber auch Hannes hat euch Allen viel gegeben. Denn ohne die Drogen war er ein anderer Mensch, war er Hannes. Lieb, sozial eingestellt, freundlich, gesellig, ein junger Mann mit großem Herz, in dem seine Familie, seine Freunde und Tiere Platz hatten. Vor allem die Katzen, vor allem Milky. In seiner Wohnung in Hannover fühlte sich Hannes sehr wohl, verbrachte viel Zeit mit seinen Freunden und natürlich, Hannes sah gut aus, waren auch Frauen ein Thema. Logisch. Hannes hätte gerne ein ganz anderes Leben geführt und oft war ihm das Herz so schwer, weil er seinem Umfeld viel zumutete, aber es war keine Absicht. Hannes war krank. Oft war er im letzten Jahr in der Klinik, geholfen hat es ihm nicht wirklich. Susan hatte immer Angst um ihren Sohn und mehr als einmal war die Sorge groß, wie sie Hannes zu Hause vorfinden würde. So auch am 09.01.2025. Nur dieses Mal sollte dieses Gefühl recht haben. 3 Copyright@Janine Bischoff, freie Rednerin und HP für Psychotherapie Copyright@Janine Bischoff, freie Rednerin und HP für Psychotherapie 4 Hannes hat es nicht geschafft, seine Krankheit hat gewonnen. Aber ein klitzekleiner Trost ist vielleicht, dass Hannes in seiner Wohnung, in Frieden, ohne Angst, ohne Schmerzen von dieser Welt ging. Sein Herz blieb einfach stehen, hörte auch zu schlagen. So eine Scheiße, Hannes, du wirst unendlich fehlen. All the little lights – Passenger Memento Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind? Allein im Nebel tast ich todentlang Und laß mich willig in das Dunkel treiben. Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr; Und die es trugen, mögen mir vergeben. Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, Doch mit dem Tod der andern, muß man leben. Mascha Kaleko Es gibt den traurigen Irrtum vieler Menschen zu glauben, dass diejenigen, die der Tod wegnimmt, uns verlassen. Aber sie bleiben – nur wo? Im Schatten? Nein, wir leben im Schatten. Sie hingegen sind neben uns an unserer Seite, wie unter einem Tarnschleier aber gegenwärtiger denn je. Wir sehen sie nicht, weil dunkle Wolken uns einhüllen. Sie aber sehen uns. Sie richten ihre Augen voller Glanz auf unsere Augen voller Tränen. Denn niemand von uns weiß genau, was geschieht, wenn wir sterben, aber ich mag daran glauben, dass es für uns alle irgendwie weitergehen wird. Und wo auch immer wir nach dem Tod hingehen, Liebe ist, was überdauern wird. Liebe ist, was die Welten verbindet, ein Band, welches nicht zerschnitten werden kann. Und wie schön und tröstlich ist der Gedanke, dass Hannes nun bei seinem Opa ist, bei Katze Elfi und den Hunden. Das würde ihm gut gefallen und uns auch. Aber machen wir uns nichts vor. Hannes hat vielen von euch, aber am meisten sich, das Leben schwer gemacht. Aber wenn wir Hannes noch etwas mit auf den letzten Weg geben sollten, wenn wir ihm einen letzten Gefallen tun wollen, dann trennen wir die Erinnerungen an Hannes und die Drogen voneinander. Denn, ich weiß, ich wiederhole mich. Sucht ist eine Krankheit, an der Hannes gelitten hat, gegen die er immer wieder gekämpft, aber am Ende doch verloren hat. Aber er war nicht diese Krankheit. Hannes war Hannes. Versucht euch an all die schönen Momente zu erinnern und von allen schlechten Momenten, kann man nur lernen und es besser machen. Für Hannes. Denn er war doch auch ein hübscher, lieber Junge mit viel Herz. Und es gibt so viele schöne und lustige Momente, die ihr zusammen erlebt habt und wenn ihr an Hannes denkt, dann denkt an all das. Und so lasst uns nun einen letzten gemeinsamen Weg mit Hannes Bader zu gehen. Ein letzter gemeinsamer Weg in Liebe, Freundschaft, Zuneigung, Respekt und voller bunter Erinnerungen. Sports – Beach Bunny 5 Copyright@Janine Bischoff, freie Rednerin und HP für Psychotherapie