Erinnerung 5 Min. Lesezeit

4 Männer - Die Wandergruppe mit Herz

4 Männer – so unterschiedlich sie waren – haben sich 2018 zusammengefunden, um jedes Jahr gemeinsam 1-wöchige (Wander-)urlaube zu unternehmen, tiefgreifende Gespräche zu führen, sich immer einig über Ziele und Unternehmungen zu sein und sich gegenseitig das Herz zu öffnen. Ihre Namen: Günther, Sascha, Carsten und Peter! Und jetzt ist einer gegangen – Günther! Um das Unfassbare irgendwie in Worte zu fassen, haben wir uns jeder für sich Gedanken gemacht: Saschas Gedanken Ich habe Günther über die VHH – die Ehemaligenvereinigung der Hotelfachschule Heidelberg in 2001 kennen gelernt. Mir ist von Anfang an aufgefallen, mit wie viel Herzblut er sich für unsere Vereinigung engagiert und das mit seiner offenen und warmherzigen Art. Über die gemeinsame Planung und Vorbereitung von Jahrestagungen und da wir uns regelmäßig auf den Treffen gesehen haben, fingen wir irgendwann an uns auch sehr persönlich zu unterhalten. Günther hatte immer ein offenes Ohr für mich und wir haben schnell festgestellt, dass wir eine tiefere Verbindung haben. Als ich dann für 2016 eine längere Reise nach Island mit der Produktion eines Dokumentarfilms geplant habe, dachte ich sofort daran, ihn zu fragen, ob er sich vorstellen könnte, mich zu begleiten. Das war einfach mein erster Impuls. und er hat fast im gleichen Moment zugesagt. Die zwei Wochen, die wir dann zusammen in Island waren, waren für mich die wichtigste Zeit mit Günther und hat unsere Freundschaft tief verwurzelt. Mein Freund Carsten war dann der Zweite, der mich in der Folgewoche begleitet hat und so habe ich ihn natürlich auch Günther vorgestellt. Die beiden haben sich auch auf Anhieb gut verstanden und so waren wir schon zu dritt. Als wir dann zwei Jahre später einen weiteren Trip nach Island geplant haben, kam noch Peter dazu und unsere Gruppe war vollständig. Wir vier merkten sofort das wir eine ganz besondere gemeinsame Chemie hatten, obwohl wir alle so unterschiedlich sind. Von da an sind wir fast jedes Jahr eine Woche gemeinsam verreist zum Wandern, Genießen und für tiefgreifende Gespräche. Ich bin sehr dankbar für diese gemeinsame Zeit und weiß, dass Günther eine große Lücke bei uns zurücklassen wird. Ich werde ihn sehr vermissen, als guten Freund, optimistischen, lebensumarmenden Menschen, Zuhörer und Ratgeber, spirituellen Sparringspartner, Geschichtenerzähler, Erfahrungsberichterstatter und vor allem Herzensmensch! Das einzige, was mich milde stimmt, ist das Wissen, dass er in dem Moment gegangen ist, in dem er am glücklichsten war. Danke dass du ein Teil meines Lebens warst! Carstens Gedanken Damals war Sascha auf dem Weg nach Island, und Günther war zwei Wochen mit ihm unterwegs, während ich eine Woche dazukam. Wir sind uns in Island nicht begegnet aber wir haben Vor- und Nachbesprechungen mit Sascha gehabt und Brenivin, ein isländischer Aquavit, getrunken und uns prima verstanden. Aus diesen ersten Begegnungen entwickelte sich über die Jahre eine enge Freundschaft. Unser gemeinsamer Anker war nicht nur die sich entspannende Liebe zu Island – die Geschichten, die wir darüber teilten, und die Erlebnisse, die wir dort hatten, sondern auch unsere Gespräche und unser Zusammensein hat mir und sicherlich ihm gutgetan. Zwei Jahre später reisten wir erneut nach Island, diesmal mit Peter, der unser Dreierteam perfekt ergänzte. Wir hatten unvergessliche Tage in Reykjavík, auf unserer Reise quer über die Insel und beim Airwaves Musikfestival. Dabei merkten wir, wie gut wir harmonierten und zu viert zusammenpassten. Aus einem einmaligen Trip wurden viele gemeinsame Reisen: an die Mosel, ins Elbsandsteingebirge, ins Tessin, nach Frankreich und auf eine sechstägige Wanderung rund um den Vogelsberg. Wir haben so viel erlebt. Günther war für uns ein Vorbild – sportlich, tatkräftig, unerschrocken, hilfsbereit, verlässlich und voller positiver Energie. Dieses Jahr wollten wir mit ihm in den Harz reisen, den er so gut kannte durch die viele Biker-Touren und wir nicht. Nun ist er nicht mehr bei uns. Doch wir werden diese Reise in seinem Gedenken antreten und ihn in unseren Herzen mitnehmen. Seine vielen Geschichten aus Zermatt, Berlin, Kenia, seiner Vergangenheit als Wirtssohn und von seiner Zeit bei der Commerzbank werden uns weiterhin begleiten. Günther hat unser Leben bereichert, und wir werden ihn nie vergessen. Peters Gedanken Am Sonntag Nachmittag 12. Januar 2025, nach einem fröhlichen Sportnachmittag, habe ich von Carsten und Sascha erfahren, dass Du einen Tauchunfall hattest. Den Du nicht überlebt hast. Das kann nicht sein, nein, es darf! nicht sein. Nicht Du. Sterben ist was für andere, ja, weit weg, das gehört zum Leben wie die Geburt. Aber doch nicht der Günther! Am Sonntag Abend irrte ich dann orientierungslos in der Wohnung umher, versuchend, das Unfassbare zu erfassen. Ein schlechter Traum nur, bald ist es vorbei, und ich erwache, alles wird wie immer sein, freu mich dann schon auf unser nächstes Sehen, bald, ja bald. Nein, ist es nicht. Mein Verstand hatte es irgendwie verarbeitet bis zum kommenden Tag, aber während ich diesen textlichen Epitaph zittrig tippe, bricht bei Herz und Seele alles wieder auf. Ich will diese Zeilen nicht schreiben, und doch ist es gut und notwendig. Was mir half und hilft, ist, Günthers verschmitztes Gesicht zu imaginieren, wie er mich in seiner gewinnbringenden Art anlächelt und sagt "Jetzt komm, Trübsal blasen, wo simmer denn!" Wie ich mir vorstelle, dass er! mich! tröstet, und sagt "Das wird alles wieder gut. Ist es eigentlich schon. Ich hab Dir doch immer erzählt aus meinem Dasein, und Du hast mit offnen Mund dagegessen und Dich gefragt "Wie kann eigentlich ein Mensch alleine soviele Dinge unternehmen und gestalten, so geerdet im Leben sein, so unterschiedliches in rascher Abfolge durchleben, von den Höhen und auch von den Tiefen schwärmen, mit allem im Reinen zu sein - insbesondere mit sich - und die Kraft für weitere tausend Pläne haben, stets mit Freunden gemeinsam unterwegs?". Für mich war es immer eine Frage, aus welcher Ecke der Welt ich demnächst wieder Bilder im WA Status sehen werde, immer ein Teamplayer, immer für andere da, in kaum glaublichen Mengen von Freundschaftskreisen unterschiedlichster Passion, und dabei immer unverwechselbar er selber. Eine Konstante. Eine verlässliche, eine fröhliche, eine gestaltende Konstante ... Bis Sonntag Nachmittag. Da verdüsterte sich die Sonne des Lebens und hielt den Atem an. Aber da!: Ich sehe Günther, er breitet seine Arme gewinnend aus, der junge alte liebe schmitzige Menschenfischer, und singt wie eines seiner Idole "Who Wants To Live Forever?!", reicht mir ein Taschentuch und trocknet meine Tränen. "Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn man sich nicht mehr an ihn erinnert." (Berthold Brecht). Und wenn ich eins weiß, dann ist es, dass dieser Moment nicht eintreten wird, solange jemand, der jemals mit Dir in menschlich engeren Kontakt war, noch auf der Erde wandelt. Du gibst mir noch heute Zuversicht. Danke!

Günther Krebs
In liebevoller Erinnerung

Günther Krebs

Gedenkseite anschauen