„Ein Leben lang hat sie Dinge passend gemacht. Für ihre Familie, für ihre Kundinnen, für alle, die zu ihr kamen.“
Lebenslauf für die Beerdigung: aus Daten wird ein Lebensbild.
Bei fast jeder Trauerfeier wird das Leben des Verstorbenen nachgezeichnet. Hier erfahren Sie, was in den Lebenslauf gehört, wie aus Jahreszahlen eine Erzählung wird und wie Sie Brüche taktvoll formulieren.
Die Kurzantwort
Der Lebenslauf bei der Beerdigung, auch Lebensbild genannt, zeichnet in 3 bis 6 Minuten die wichtigsten Stationen eines Lebens nach. Meist trägt ihn der Pfarrer oder Trauerredner vor, die Familie liefert Daten und Geschichten. Gut wird er, wenn jede Station eine kleine Begebenheit bekommt statt nur einer Jahreszahl.
Grundlagen
Lebenslauf bei der Beerdigung: Was ist das und wer trägt ihn vor?
Der Lebenslauf hat in vielen Trauerfeiern einen festen Platz, oft direkt nach der Begrüßung. Er zeichnet die wichtigsten Stationen nach und zeigt dabei, wie dieser Mensch war.
Vorgetragen wird er meist vom Pfarrer oder Trauerredner. Daten und Geschichten liefert die Familie im Trauergespräch einige Tage vor der Feier. Manche Angehörige schreiben den Text auch selbst – als Entwurf für den Redner oder um ihn selbst vorzutragen.
Inhalt
Was gehört in einen Lebenslauf für die Trauerrede?
Nicht jede Station braucht gleich viel Raum – gewichten Sie nach dem, was diesem Menschen wichtig war.
Geburt und Herkunft
Datum, Ort, Eltern, Geschwister – und ein Satz zu der Welt, in die jemand hineingeboren wurde.
Kindheit und Jugend
Schule, Freundschaften, prägende Erlebnisse. Oft genügt eine Szene, die die Familie bis heute erzählt.
Ausbildung und Beruf
Lehre, Studium, Arbeitsplätze – und was diesen Menschen an seiner Arbeit hielt.
Partnerschaft und Kinder
Kennenlernen, Hochzeit, Kinder, Enkel – alle Namen vollständig und richtig geschrieben.
Ehrenamt und Leidenschaften
Verein, Musik, Reisen, Handwerk: Hier zeigt sich oft, wer jemand wirklich war.
Die letzten Lebensjahre
Ruhestand, Krankheit, Abschied – ein, zwei ehrliche Sätze darüber, wie jemand diese Zeit getragen hat.
Daten, die Sie für den Trauerredner bereithalten sollten
- Vollständiger Name, Rufname, ggf. Geburtsname
- Geburts- und Sterbedatum, jeweils mit Ort
- Namen von Eltern und Geschwistern
- Ausbildung, Berufe, wichtige Arbeitgeber, Ruhestand
- Hochzeitsdatum, Name des Partners, ggf. frühere Ehen
- Namen von Kindern, Enkeln und Urenkeln – richtig geschrieben
- Wohnorte, Vereine, Ehrenämter, Hobbys
- Ein Lieblingsspruch oder Lied, das zu ihm oder ihr passt
- Was ausdrücklich nicht erwähnt werden soll
Vorlage
Datenliste oder Lebensbild? Die Lebenslauf-Vorlage für die Beerdigung
Dieselben Fakten können klingen wie ein Formular oder wie ein Leben.
Eine chronologische Datenliste lautet etwa: „1958 Heirat mit Gerhard. 1960 Geburt der Tochter Claudia.“ Korrekt – aber es bleibt nichts hängen.
Ein erzähltes Lebensbild gibt denselben Daten ein Bild: „Im Mai 1958 heiratete sie Gerhard, an einem verregneten Samstag. Die ganze Hochzeitsgesellschaft passte in ein einziges Wohnzimmer.“ Als Faustregel gilt: pro Lebensabschnitt eine Jahreszahl und eine Geschichte. Verweilen Sie dort, wo das Leben eine Wendung nahm.
Vorlage zum Ausfüllen
Lebenslauf-Vorlage zum Ausfüllen
Ersetzen Sie die Angaben in eckigen Klammern und streichen Sie, was nicht passt – ein, zwei Sätze pro Klammer genügen.
[Vorname Nachname], geboren als [Geburtsname], kam am [Datum] in [Ort] zur Welt, als [erstes / jüngstes …] Kind von [Namen der Eltern]. [Ein Satz zur Herkunft.]
In der Familie wird bis heute erzählt, wie [kleine Begebenheit aus der Kindheit].
Nach der Schule [Lehre / Studium / erste Stelle]. [Anzahl] Jahre arbeitete [er/sie] als [Beruf] bei [Arbeitgeber]. Was [ihn/sie] dort hielt, war [die Kollegen / das Handwerk / die Verantwortung].
[Jahr] lernte [er/sie] [Name des Partners] kennen, [wo und wie]. [Jahr] heirateten die beiden. Es folgten [Kinder mit Jahr] und später [Anzahl] Enkel: [Namen].
[Sein/Ihr] Herz schlug außerdem für [Verein / Ehrenamt / Hobby]. Wer [ihn/sie] dort erlebt hat, weiß: [Eigenschaft, gezeigt an einer kleinen Szene].
Die letzten Jahre [waren geprägt von …]. Am [Sterbedatum] ist [Vorname] im Alter von [Alter] Jahren gestorben.
Wenn wir an [Vorname] denken, sehen wir [ein Bild, eine Geste, einen Satz]. Das bleibt.
Recherche
Persönlicher Lebenslauf: Fragen, die Sie in der Familie stellen können
Die besten Details stehen in keiner Urkunde – sie kommen zum Vorschein, wenn mehrere Menschen gemeinsam erinnern.
Fragen für das Familiengespräch
- Welche Geschichte wird bei jedem Familientreffen erzählt?
- Welchen Satz hat er oder sie oft gesagt?
- Welche Entscheidung hat das Leben in eine neue Richtung gelenkt?
- Worauf war sie stolz – und worüber sprach sie nie gern?
- Was würden Kollegen oder Nachbarn über ihn erzählen?
- Was war ihm in den letzten Jahren noch wichtig?
Legen Sie dabei alte Fotoalben auf den Tisch: Bilder wecken Erinnerungen, die auf direkte Fragen nicht kommen. Notieren Sie, wer was erzählt hat, um Jahreszahlen später gegenzuprüfen.
Meist sammeln Sie mehr, als in fünf Minuten passt. Den Rest können Sie zusätzlich auf einer Gedenkseite festhalten, etwa bei Monumeo – dort ergänzen auch Freunde eigene Erinnerungen.
Fingerspitzengefühl
Scheidung, Patchwork, schwere Jahre: der Lebenslauf mit Brüchen
Ein guter Lebenslauf verschweigt Brüche nicht, aber er stellt niemanden bloß.
Frühere Ehen und Patchwork: Kinder aus früheren Beziehungen gehören selbstverständlich dazu – leibliche wie Stiefkinder, mit gleicher Wärme genannt. Eine Scheidung lässt sich in einem Satz erzählen, ohne Schuldfrage.
Schwere Kapitel: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Sucht oder Familienstreit müssen nicht ausgebreitet werden. Es genügt ein ehrlicher Satz, der die Schwere anerkennt und zeigt, wie jemand damit umging.
Wer sitzt im Raum? Die zweite Frau, die Kinder aus erster Ehe, der Bruder, mit dem es lange Streit gab: Niemand soll sich übergangen oder vorgeführt fühlen.
Beispiele
Zwei vollständige Beispielreden.
Zum Lesen, Lernen und als Vorlage — übernehmen Sie den Rahmen und ersetzen Sie Namen und Geschichten durch Ihre eigenen.
Lebenslauf für die Beerdigung der Oma ~460 Wörter 4 Minuten erzählend, mit Jahreszahlen
Vorgetragen von einer Trauerrednerin, nach Angaben der Familie.
Liebe Familie Brand, liebe Freundinnen und Nachbarn,
Hannelore Brand wurde am 14. März 1940 in Michelau in Oberfranken geboren, als jüngstes von drei Kindern des Korbmachers Georg Färber und seiner Frau Rosa. In der kleinen Wohnung über dem Lager roch es nach nassen Weiden, und schon mit sechs Jahren konnte Hannelore einen Korbboden flechten. Ihre Brüder erzählen bis heute, dass sie schneller war als die beiden – und das auch gern sagte.
1954, mit vierzehn, begann sie eine Lehre als Damenschneiderin in Lichtenfels. Die Gesellenprüfung bestand sie als Jahrgangsbeste. Ihr Prüfungsstück, eine dunkelblaue Kostümjacke, hing noch sechzig Jahre später in ihrem Schrank.
Auf der Kirchweih im Sommer 1959 lernte sie Heinz Brand kennen, einen jungen Busfahrer aus Coburg. Er hatte, so erzählte sie gern, zwei linke Füße und ein sehr gutes Gedächtnis: Noch Jahrzehnte später wusste er, welches Kleid sie an diesem Abend trug. 1961 heirateten die beiden. Das Brautkleid hatte Hannelore selbst genäht.
1962 kam Tochter Monika zur Welt, 1966 Sohn Thomas. Ein Jahr später zog die Familie nach Nürnberg, weil Heinz dort bei den Verkehrsbetrieben anfangen konnte. Hannelore machte aus der Großstadt, was sie aus allem machte: eine Aufgabe. 1975 eröffnete sie in der Südstadt eine kleine Änderungsschneiderei. Sechsundzwanzig Jahre lang kürzte sie dort Hosen, nähte Reißverschlüsse ein und kannte bald die halbe Nachbarschaft beim Vornamen.
Sonntags ging sie in die Kirche, nach eigenen Worten mehr wegen der Lieder als wegen der Predigt. Donnerstags war Rommé-Abend mit den Nachbarinnen aus dem dritten Stock, seit 1981 ohne Unterbrechung. Und jeden Sommer ging es mit Heinz und dem Wohnwagen an den Gardasee, immer auf denselben Campingplatz, immer auf Parzelle 41.
2001 gab sie das Geschäft auf. Ihre Enkel Jana, Lukas und Mia bekamen eine Oma, die Zeit hatte – und eine Nähmaschine. Kein Faschingskostüm war ihr zu aufwendig. Lukas war als Sechsjähriger ein Drache mit dreißig einzeln genähten Schuppen. Er hat diesen Drachen bis heute aufbewahrt.
2009 starb Heinz, nach achtundvierzig gemeinsamen Ehejahren. Es war die schwerste Zeit ihres Lebens. Und doch tat Hannelore mit siebzig etwas, das niemand von ihr erwartet hatte: Sie meldete sich zu einem Schwimmkurs an. Als Kind hatte sie es nie gelernt. Ein halbes Jahr später schwamm sie ihre erste Bahn, und von da an ging sie jeden Mittwochmorgen ins Hallenbad.
Die letzten beiden Jahre lebte sie in einem Seniorenheim, nur ein paar Straßen von Monika entfernt. Beim Rommé hat sie dort bis zuletzt niemanden geschont. Am 3. September ist Hannelore Brand im Alter von 86 Jahren eingeschlafen, ruhig, mit ihrer Tochter an ihrer Seite.
Wer an sie denkt, sieht sie vielleicht mit Stecknadeln zwischen den Lippen, über eine Naht gebeugt. Ein Leben lang hat sie Dinge passend gemacht. Für ihre Familie, für ihre Kundinnen, für alle, die zu ihr kamen. Dafür sagen wir heute Danke.
Lebenslauf für einen Mann mit bewegtem Berufsleben ~350 Wörter 3 Minuten mit Brüchen und Patchwork
Sachlicher im Ton – mit Arbeitslosigkeit, Trennung und Neuanfang.
Liebe Familie, liebe Weggefährten von Dieter,
Dieter Rehberg wurde am 2. Juni 1953 in Rostock geboren. Sein Vater war Maschinist auf einem Fischtrawler und oft monatelang auf See. Vielleicht kam daher Dieters lebenslange Abneigung gegen lange Abschiede. „Bis denne“, sagte er, und weg war er.
Mit sechzehn begann er auf der Warnowwerft eine Lehre als Schiffbauer. Mehr als zwanzig Jahre blieb er dort, zuletzt als Meister im Sektionsbau. Bei jedem Schiff, das vom Stapel lief, konnte er auf ein Teil zeigen, das durch seine Hände gegangen war.
1976 heiratete er Petra, ein Jahr später wurde Sohn Martin geboren. Nach vierzehn Jahren gingen die beiden getrennte Wege – und beide haben dafür gesorgt, dass Martin seinen Vater nie verlor.
Dann kam die Wende, und mit ihr die schwersten Jahre. Anfang der Neunziger verlor Dieter seine Stelle auf der Werft. Mit 38 wurde plötzlich niemand mehr gebraucht, der Schiffe baute. Er fuhr Pakete aus, arbeitete auf dem Bau, pendelte zwei Jahre nach Hamburg. Darüber gesprochen hat er selten. Aufgegeben hat er nie.
1995 machte er die Ausbildung zum Fahrlehrer, mit 42 als Ältester im Kurs. 1998 eröffnete er in Bad Doberan seine eigene Fahrschule. Sein Satz in der ersten Stunde war immer derselbe: „Der Wagen fährt. Du sagst ihm nur, wohin.“
In der Fahrschule lernte er auch Sabine kennen, die eigentlich nur ihren Sohn Jonas anmelden wollte. 2001 heirateten die beiden. Jonas war damals zwölf, und Dieter hat nie einen Unterschied gemacht zwischen dem Sohn, den er mitbrachte, und dem, den er dazubekam. Beide sitzen heute in der ersten Reihe.
Im Ruhestand, ab 2018, war er mit Sabine viel auf dem Rad unterwegs. Acht Jahre lang restaurierte er ein altes Holzboot – und konnte es genau einen Sommer segeln.
Im Frühjahr erfuhr er von seiner schweren Krankheit. Er trug sie, wie er alles getragen hatte: ohne viel Aufhebens. Am 21. August ist Dieter Rehberg im Alter von 73 Jahren zu Hause gestorben.
Er hat Schiffe gebaut und Menschen das Fahren beigebracht. Und er hat gezeigt, dass man mit 38 nicht am Ende ist, sondern manchmal erst in der Mitte. Bis denne, Dieter.
Formulierungshilfen
Satzanfänge, wenn die Worte fehlen.
Für Übergänge zwischen Lebensstationen
- „In diese Zeit fällt eine Geschichte, die die Familie bis heute erzählt: …“
- „[Jahr] begann ein neues Kapitel.“
- „Was als Notlösung begann, wurde zu ihrer Lebensaufgabe.“
- „Wer ihn damals kannte, erinnert sich vor allem an …“
- „Im Ruhestand hatte sie endlich Zeit für …“
Für schwierige Kapitel
- „Aus seiner ersten Ehe ging sein Sohn [Name] hervor.“
- „Nach [Anzahl] Jahren gingen die beiden getrennte Wege.“
- „Die Jahre nach [Ereignis] waren schwer. Aufgegeben hat er nicht.“
- „Über diese Zeit hat sie selten gesprochen.“
- „Ihre Krankheit hat die letzten Jahre geprägt, aber nicht bestimmt.“
Häufige Fragen
Was viele noch wissen möchten.
Wer schreibt den Lebenslauf für die Beerdigung?
Meist formuliert ihn der Pfarrer oder Trauerredner nach dem Trauergespräch mit der Familie. Sie können aber auch selbst einen Entwurf schreiben und ihn dem Redner geben. Ihre eigenen Worte treffen den Menschen oft am besten.
Wie lang ist ein Lebenslauf bei der Trauerfeier?
Üblich sind drei bis sechs Minuten, also etwa 350 bis 700 Wörter. Folgt noch eine persönliche Rede aus Familie oder Freundeskreis, darf er kürzer sein.
Wie erwähnt man eine Scheidung im Lebenslauf?
Sachlich, kurz und ohne Wertung, etwa: „Nach vierzehn Jahren gingen die beiden getrennte Wege.“ Kinder aus dieser Ehe werden selbstverständlich genannt. Stimmen Sie die Formulierung mit den engsten Angehörigen ab, besonders wenn der frühere Partner anwesend ist.
Was tun, wenn man wenig über das Leben des Verstorbenen weiß?
Fragen Sie Geschwister, alte Freunde, Kollegen und Nachbarn, und schauen Sie in Fotoalben, Briefe oder Vereinschroniken. Lücken dürfen bleiben: Ein ehrlicher Satz wie „Über seine Jugend wissen wir wenig“ ist besser als eine ausgeschmückte Geschichte.
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Passend zu Ihrer Rede.
Nach der Trauerfeier
Worte verklingen. Erinnerungen bleiben.
Halten Sie die Rede zusammen mit Fotos, Lebensgeschichte und den Erinnerungen der Gäste auf einer Gedenkseite fest — kostenlos angelegt, auf Wunsch mit QR-Code am Grab, damit sie jeder nachlesen kann.